Illustration: Eine Frau sitzt auf dem Rand eines Betts. Sie stützt verzweifelt den Kopf auf die Hände. 

Zwangsprostitution

Zwangsprostitution ist eine Form der sexuellen Ausbeutung. Betroffen sind vor allem Mädchen und Frauen. Die Täter und Täterinnen locken ihre Opfer oft mit falschen Versprechungen in die Abhängigkeit, zum Beispiel mit der Aussicht auf einen angeblich guten Job. Verschiedene Organisationen beraten und unterstützen Zwangsprostituierte.

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Worterklärung (Definition)

Was ist Zwangsprostitution?

  • Prostitution ist die gewerbsmäßige Ausübung von sexuellen Handlungen (= „Sex gegen Bezahlung“, Sexarbeit). Prostitution in Deutschland ist legal und durch das Prostitutionsgesetz (ProstG) sowie das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) geregelt. Beispielsweise unterliegen Prostituierte einer Anmeldepflicht gemäß § 3 ProstSchG und sie können sich regulär in den gesetzlichen Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungen versichern.
     
  • Zwangsprostitution ist sexuelle Ausbeutung: Mädchen oder Frauen (seltener auch Jungen, Männer und transgender Personen) müssen gegen ihren Willen – zum Beispiel in einem Bordell, in einem Hotelzimmer, einer Privatwohnung oder auf dem Straßenstrich – sexuelle Dienstleistungen anbieten. Der Zwang kann insbesondere durch Gewalt, durch Drohung mit einem empfindlichen Übel (= ein schwerwiegender Nachteil), durch Täuschung oder durch Ausnutzung einer persönlichen bzw. wirtschaftlichen Zwangslage oder der Hilflosigkeit des Opfers ausgeübt werden. Häufig werden die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den Herkunftsländern ausgenutzt und die Prostitutionstätigkeit als gute Verdienstmöglichkeit dargestellt.
     
  • Zwangsprostituierte erhalten keine oder nur eine geringe Entlohnung; der Großteil des Geldes fließt in die Kassen der Zuhälter.
     
  • Zwangsprostitution ist in der Regel verbunden mit Menschenhandel und ist eine schwere Straftat. Der Handel mit Menschen zum Zwecke der Ausbeutung ist zudem eines der lukrativsten Geschäfte der Organisierten Kriminalität. Jede Beteiligung an Zwangsprostitution ist strafbar: Auch der Freier einer Zwangsprostituierten kann sich strafbar machen. Täter und Täterinnen erwarten Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren (§ 232a Abs. 1, 3 StGB, Zwangsprostitution).
Methode

Wie läuft Zwangsprostitution ab?

Die Methoden, um die Opfer zur Prostitution zu zwingen, sind vielfältig. Die Täter und Täterinnen ködern beispielsweise ihre Opfer in Deutschland oder im Ausland (vor allem Ost- und Südeuropa) mit dem Versprechen auf einen fair bezahlten, seriösen Job. Oder sie spielen ihnen die große Liebe vor (Loverboy-Methode). Gehen die Opfer auf das vermeintliche Jobangebot oder das Liebeswerben ein, schnappt die Falle zu. Die Täter und Täterinnen zwingen ihre Opfer zum Sex gegen Geld – mit Erpressung, Drohungen, psychischer, sexualisierter oder körperlicher Gewalt. Sie nehmen ihnen die Ausweispapiere und das Handy weg, überwachen jeden ihrer Schritte, sperren sie ein und kassieren einen Großteil ihrer Einnahmen.

Manchmal übt auch die Familie der Opfer – wissentlich oder unwissentlich – Druck auf die Betroffenen aus. Eltern, Geschwister oder andere Angehörige erwarten, dass das Opfer Geld verdient und die oft in ärmsten Verhältnissen lebende Familie mit den Einnahmen unterstützt. Die Zwangsprostituierten sind gefangen in einem Netz aus Druck, Gewalt und Scham, aus dem sie nur schwer aus eigener Kraft entkommen.

Sie sind von Zwangsprostitution betroffen? Oder eine Person in Ihrem Umfeld? Sie brauchen Rat und Unterstützung oder Sie möchten den Verdacht bzw. einen konkreten Fall der Zwangsprostitution melden? Anlaufstellen finden Sie unten in der roten HILFE-BOX.

Ein Mann fasst eine junge Frau grob an beiden Armen und drückt sie gegen eine Wand. 

Meist treten die Täter oder Täterinnen wie seriöse Jobvermittler auf. Gewalt erfahren ihre Opfer spätestens, wenn sie im Zielland zum Beispiel zur Prostitution gezwungen werden.

Wer ist betroffen?

Die meisten Opfer sind jung, weiblich – und keineswegs nur aus dem Ausland

Im Jahr 2021 wurden in Deutschland – wie bereits im Vorjahr – 291 Ermittlungsverfahren im Bereich des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. Diesen Ermittlungsverfahren lagen teilweise mehrere Straftatbestände (neben § 232a StGB – Zwangsprostitution z. B. auch § 232 StGB – Menschenhandel und § 181a StGB – Zuhälterei) zugrunde. In Bayern wurden insgesamt hiervon 44 Ermittlungsverfahren abgeschlossen. Insgesamt wurden in den im Jahr 2021 abgeschlossenen Verfahren im Bereich des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung 417 Opfer ermittelt und 391 Tatverdächtige festgestellt. Mit 92,8 Prozent war die große Mehrheit der Opfer weiblich, in 23 Fällen handelte es sich bei den Geschädigten um Männer. Die Betroffenen waren im Durchschnitt 27 Jahre alt. Rund jedes dritte Opfer, dessen Alter ermittelt werden konnte (131 von 395), war unter 21 Jahre alt. (Quelle: BKA, Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung 2021)

Menschenhändler und Zuhälter suchen ihre Opfer nicht nur im Ausland. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die Nationalität der Geschädigten aufgeschlüsselt (in Auszügen). Demnach waren die Geschädigten im Jahr 2021 am häufigsten Staatsangehörige folgender sechs Länder:

  • 95 Deutschland
  • 70 Bulgarien
  • 67 Rumänien
  • 36 China
  • 29 Ungarn
  • 23 Thailand

In 48,8 Prozent aller Fälle kannten sich Geschädigte und Täter bereits vor der Tat. 12 der im Jahr 2021 ermittelten Tatverdächtigen waren sogar mit ihren späteren Opfern verwandt. Diese Zahlen verdeutlichen die große Bedeutung der Bindung des Opfers an den Täter oder die Täterin für die ausbeuterischen Handlungen. (Quelle: BKA, Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung 2021

Eine zunehmende Rolle spielt das Internet. In den im Berichtsjahr 2021 abgeschlossenen Ermittlungsverfahren wegen sexueller Ausbeutung lief bei 55 Opfern (13,2 Prozent) die Kontaktanbahnung übers Web, besonders über soziale Netzwerke. Eine weitere Kontakt-Plattform sind Online-Anzeigeportale.

Eine junge Frau, nur mit Shorts und Shirt bekleidet, liegt zusammengekrümmt auf einem Bett.

Zwangsprostitution bedeutet: Ein Mensch wird zum Sex gegen Geld gezwungen. Von Zwangsprostitution sind vor allem junge Frauen betroffen. (Symbolbild)

Typisch für Zwangsprostitution: Oft kennen sich Täter und Opfer schon vor der Tat. Manchmal sind sie sogar miteinander verwandt.

Vorsicht, Loverboys!

Eine besonders hinterhältige Taktik verfolgen sogenannte „Loverboys“, um Mädchen und junge Frauen in die Prostitution zu zwingen. Sie gaukeln ihren Opfern die große Liebe vor und machen sie mit Tricks von sich abhängig oder wenden Drohungen und Gewalt an. Viele Betroffene bleiben in der Prostitution gefangen, oft monate- oder jahrelang. Hier finden Sie alle Infos über die Loverboy-Methode. Außerdem: Checklisten für Mädchen und junge Frauen, Eltern/Angehörige sowie Lehrkräfte!

Loverboys: zur Themenseite und den Checkliste

Ein junger Mann umarmt eine junge Frau fest mit beiden Armen. Sie lächelt glücklich.

Sie sehen gut aus, sind aufmerksam, zärtlich – und sorgen dafür, dass ihre Opfer nach und nach alle Kontakte zur Familie und zum Freundeskreis abbrechen: „Loverboys“ drängen Mädchen oder Frauen planvoll in die Zwangsprostitution. (Symbolbild)

Was kann ich tun?

Sie werden zur Prostitution gezwungen?

Lassen Sie sich durch nichts und niemanden zur Prostitution drängen. „Einmal ist keinmal?“ Leider nicht. Wenn Sie zustimmen, „es“ einmal zu tun, können Sie sicher sein: Sie werden wieder und wieder gezwungen, sich zu prostituieren, oft jahrelang.

Prostitution = Liebesbeweis?

„Aber er liebt mich doch – wirklich!“ NEIN! Denn sonst würde er auf keinen Fall wollen, dass Sie sich für ihn prostituieren. Wer Ihren Körper verkaufen will, ist kein liebevoller Mann. Sondern einfach nur ein Zuhälter.

Also ganz konkret: Ihr Freund bittet Sie, Sex mit anderen zu haben? Zum Beispiel, um ihn aus einer finanziellen Unglückslage zu befreien? Sagen Sie nein!

Eine junge Frau ist von hinten zu sehen. Sie sitzt auf einem Bett in einem düsteren Raum. 

„Ich mache es, weil ich ihn liebe!“ Sie lieben ihn. Aber er liebt Sie nicht. Sonst würde er Sie nicht zur Prostitution drängen.

Sie wollen aus der Zwangsprostitution aussteigen?

Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle. Die Beraterinnen

  • verstehen Ihre Lage,
  • sind auf Ihrer Seite,
  • hören einfühlsam zu,
  • drängen Sie nicht (zum Beispiel auch nicht dazu, Anzeige zu erstatten, wenn Sie das nicht möchten),
  • informieren Sie über Ihre Rechte und Möglichkeiten und
  • unterstützen Sie in allen praktischen Fragen (zum Beispiel: Wo kann ich während der ersten Zeit schlafen? Wo bin ich sicher vor meinem Zuhälter? Wie finde ich einen Job? Und auch: Wie bewältige ich meine belastenden Erlebnisse? Wie gelingt eine Annäherung an Familie und Freunde?).

Hier finden Sie Beratung und praktische Unterstützung: HILFE-BOX

 

Hier finden Sie Hilfe

Rat & Hilfe für Mädchen und Frauen

Sie werden zur Prostitution gezwungen? Oder Sie haben Angst, dass jemand Sie in die Prostitution zwingen will? Es gibt Fachberatungsstellen, die Sie beraten und konkret unterstützen. Die Beraterinnen sind auf Ihrer Seite, ohne Wenn und Aber. Die Beratung ist ganz auf Ihre persönliche Lage zugeschnitten – und natürlich kostenlos und auf Wunsch anonym.

Zur Fachberatungsstelle JADWIGA

Zur Fachberatungsstelle SOLWODI

Beratung für Eltern und Angehörige

Sie machen sich Sorgen um ein Mädchen oder eine junge Frau in Ihrer Familie? Oder um einen männlichen Familienangehörigen? Es gibt Beratungsstellen, die Eltern und Angehörige mit Infos und den richtigen Kontakten unterstützen, zum Beispiel:

Elterntelefon der Nummer gegen Kummer

bke-Elternberatung

Infos und Rat für Fachkräfte

Das Aktionsbündnis gegen Frauenhandel – rund 20 Organisationen und Verbände aus dem bayerischen Raum – organisiert unter anderem Fachtagungen zum Thema.

Aktionsbündnis gegen Frauenhandel

ZWANGSPROSTITUTION: BERATUNG & HILFE
    • Sie sind von Zwangsprostitution betroffen oder bedroht? Oder Sie möchten eine betroffene Person unterstützen bzw. einen Verdacht oder konkreten Fall der Zwangsprostitution melden? Hier finden Sie Anlaufstellen:

    • 110

      Sie sind JETZT in Gefahr? Rufen Sie die Polizei.

    • SOLWODI 

      Ganzheitliche Beratung, Unterstützung und Betreuung für Frauen und Mädchen, anonym, kostenlos und individuell. 

    • Hilfetelefon Gewalt an Männern

      Hotline (bayernweit) 0800 123 99 00. Beratung auch per E-Mail und Chat. 

    • JADWIGA

      Ganzheitliche Beratung, Unterstützung und Betreuung für Frauen und Mädchen, anonym, kostenlos und individuell

    • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

      Hotline (bundesweit) 08000 116 016 (täglich rund um die Uhr). Beratung auch per E-Mail und Chat, in 18 Fremdsprachen, Leichter Sprache und Gebärdensprache.  

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