Illustration: Ein Mann und eine Frau schreien einander an.

Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt nennt man Gewalt, die in der Ehe, Partnerschaft oder Familie stattfindet – oder auch zwischen Menschen, die nach einer Trennung nicht mehr unter einem Dach leben. Häusliche Gewalt kommt in allen Gruppen unserer Gesellschaft vor, ganz unabhängig zum Beispiel vom Einkommen, der Bildung oder dem Alter.

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Worterklärung (Definition)

Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt geschieht zwischen Menschen, die

  • verheiratet/verpartnert sind oder in einer Beziehung leben,
  • zu einer Familie oder Lebensgemeinschaft gehören,
  • sich getrennt haben/geschieden sind.

Häusliche Gewalt hat oft das Ziel, Macht zu gewinnen und dauerhaft Kontrolle auszuüben. Meist geschieht sie nicht nur einmal, sondern immer wieder. Typisch: Der Täter oder die Täterin gibt sich reuig, zeigt und verspricht, sich zu ändern – und übt doch immer wieder Gewalt aus. Häusliche Gewalt ist kein einzelner „Ausrutscher“, sondern geschieht in Serie und hat oft Methode.

Es gibt viele Formen von häuslicher Gewalt (die sich oft überschneiden), zum Beispiel

  • körperliche (= physische) Gewalt
     
    Beispiele: schlagen, einsperren, nichts zu essen geben.
    Mehr erfahren: zur Übersichtsseite „körperliche Gewalt“
  • seelische (= psychische) Gewalt
     
    Beispiele: beleidigen, demütigen („Du machst nie etwas richtig! Du bist nichts wert! Du bist krank! Du bist ein Versager!“) oder bedrohen.
    Mehr erfahren: zur Übersichtsseite „psychische Gewalt“
  • sexualisierte Gewalt
     
    Beispiele: mit sexuellen Anspielungen bedrängen, auf unerwünschte Art berühren oder sie/ihn zum Sex zwingen.
    Mehr erfahren: zur Übersichtsseite „sexualisierte Gewalt“
  • finanzielle/ökonomische Gewalt
     
    Beispiele: den Zugang zum gemeinsamen Konto sperren, ganz allein über das Haushaltseinkommen verfügen.
     

Häusliche Gewalt setzt betroffene Menschen oft besonders schwer zu, denn sie geschieht ...

... an dem Ort, der uns eigentlich Schutz und Geborgenheit bieten soll.

... durch Menschen, die uns sehr nahe standen oder noch nahe stehen.

Häusliche Gewalt = Partnerschaftsgewalt?

Viele Fachleute beziehen den Begriff „häusliche Gewalt“ nur auf die Partnerschaft zwischen Erwachsenen. Bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird unterschieden zwischen körperlicher, sexualisierter und seelischer Gewalt. Selbst wenn Kinder oder Jugendliche häusliche Gewalt „nur“ miterleben, kann sich dies negativ auf das Kindeswohl auswirken. Und auch wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben, kann es zu Gewalt kommen – zum Beispiel durch die oder gegen die Großeltern.

Häusliche Gewalt: fast 400 Opfer pro Tag

140.755
Opfer von Gewalt in der Partnerschaft pro Jahr

140.755 Opfer von vollendeter und versuchter Partnerschaftsgewalt wurden 2018 in der kriminalstatistischen Auswertung des BKA erfasst. Daneben gibt es noch eine große Zahl an Gewalttaten, die nie zur Anzeige kommen
(= Dunkelfeld). Mehr als 81 Prozent der Opfer sind Frauen. (Quelle: BKA-Kriminalstatistik 2018)

Im Wohnzimmer: Ein Kind erlebt bedrückt einen Streit zwischen seinen Eltern.

Symbolbild: Dauerstreit, Konflikte und Gewalt zwischen den Eltern belastet auch die Kinder oft schwer. 

Zahlen & Fakten

Typisch: 8 Merkmale von häuslicher Gewalt

Rechtliche Sicht

Häusliche Gewalt: keine Privatsache

Es gibt zwar im Strafgesetzbuch keinen eigenen Paragrafen zu häuslicher Gewalt. Doch viele Formen von häuslicher Gewalt stehen unter Strafe, von der Körperverletzung (§ 223 StGB) bis zum Stalking (Nachstellung, § 238 StGB). Häusliche Gewalt ist keine Privatsache!

Auch die Vergewaltigung (§ 177 StGB) in der Ehe oder Partnerschaft ist eine Form häuslicher Gewalt. Seit 1997 ist in Deutschland auch die Vergewaltigung durch die Ehefrau oder den Ehemann strafbar.

Was kann ich tun?

Tabuthema häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt ist oft noch ein Tabu. Wer auf der Straße angegriffen wird, von einer oder einem Fremden, ruft um Hilfe und erstattet Anzeige. Doch soll eine Frau zugeben, dass ihr Mann sie schlägt? Der Sunnyboy, der in der ganzen Nachbarschaft beliebt ist? Der Traummann, den sie noch immer liebt, trotz allem? Soll ein Mann offenbaren, dass er von seiner Partnerin gequält und gedemütigt wird, jeden Tag? Das passiert doch nur anderen! Nicht der starken Frau, dem starken Mann! Das passt doch nicht in die Vorstellung von der heilen Familie!

„Ich bin ja selbst schuld.“

„Das war sicher nur ein Ausrutscher.“

„Er/sie hat mir versprochen, dass es nie wieder passiert.“

„Was sollen denn die Nachbarn denken?“

„Sie/ihn verlassen? Wir haben doch Kinder!“

„Er/sie liebt mich doch!“

„Alleine komme ich nicht zurecht. Ich bleibe lieber.“

(Warum viele Menschen oft jahrelang Gewalt erleiden, statt Hilfe zu suchen.)

Häusliche Gewalt: reden hilft!

Sie können mithelfen, das Tabu zu brechen. Wie? Ganz einfach: indem Sie über häusliche Gewalt sprechen. In der Familie, im Freundeskreis, in den sozialen Medien. Reden Sie darüber, dass häusliche Gewalt überall geschehen kann: in „den besten Kreisen“, auch in Ihrer Nachbarschaft. Und wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand in Ihrem Umfeld Gewalt erleidet: Trauen Sie sich und sprechen Sie die Person an. Bieten Sie ein offenes Ohr und Unterstützung an. Anlaufstellen finden Sie unten in der HILFE-Box.

Symbolbild: Eine Frau streckt abwehrend ihre Hand aus; auf der Handfläche steht „Stop“.

Symbolbild: Häusliche Gewalt stoppen: Es gibt in Bayern zahlreiche Beratungs- und Hilfeangebote. 

Hier finden Sie Hilfe
HÄUSLICHE GEWALT: BERATUNG & HILFE
Tiefer einsteigen: verwandte Themen

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Hier finden Sie Infos zu Formen von Gewalt, die auch im häuslichen Umfeld und in der Partnerschaft vorkommen.