Illustration: mehrere Männer in bedrohlicher Haltung.

Organisierte Kriminalität

Organisierte Kriminalität (kurz: OK) bedeutet: Banden ziehen Straftaten wie Geldwäsche, Betrug oder den Handel mit Drogen wie ein Business auf. Dabei wenden sie Gewalt, Erpressung oder andere Druckmittel an. Eine besonders schwerwiegende Form der organisierten Kriminalität ist der Menschenhandel. Erfahren Sie hier mehr über internationalen Frauenhandel, Zwangsprostitution und „Loverboys“.

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Worterklärung (Definition)

Was ist Organisierte Kriminalität?

„Organisiert“ nennt man Kriminalität, wenn mehr als zwei Beteiligte arbeitsteilig, auf längere oder unbestimmte Dauer und planmäßig Straftaten begehen, die (einzeln oder in ihrer Gesamtheit) von erheblicher Bedeutung sind und dabei  

  • gewerbliche oder geschäftsähnliche Strukturen verwenden, 
  • Gewinne erzielen und/oder Macht erlangen wollen, 
  • Gewalt und andere Einschüchterungsmittel einsetzen und/oder 
  • Einfluss auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder die Wirtschaft nehmen.

Es gibt viele Formen und Zweige der Organisierten Kriminalität (OK). In Deutschland sind besonders verbreitet 

  • Drogenhandel (ein Drittel aller OK-Gruppierungen in Deutschland handelt mit Betäubungsmitteln) 
  • Eigentumskriminalität (besonders Autodiebstahl und Autoschieberei) 
  • Delikte im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben (vor allem Betrug an älteren Menschen)

(Quelle: Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2018

Weitere OK-Zweige sind unter anderem 

  • Geldwäsche (zum Beispiel durch Immobilienkäufe mit Bargeld) 
  • (illegaler) Waffenhandel bzw. -schmuggel 
  • Menschenhandel und Zwangsprostitution 
  • Schleusungskriminalität 
  • Steuer- und Zolldelikte 
  • Gewaltkriminalität 
  • Kriminalität im Zusammenhang mit dem Nachtleben (u. a. Menschenhandel und Zwangsprostitution) 
  • Cybercrime 
  • Fälschungskriminalität 

Die Cosa Nostra ist die älteste Vereinigung in der sizilianischen Mafia. Sie ist auf mehreren Kontinenten vor allem im Rauschgifthandel und in der Geldwäsche aktiv, daneben betreibt sie auch legale Geschäfte. Auch in Deutschland hat die Cosa Nostra Fuß gefasst. Berühmt und romantisch verklärt wurde die Organisation durch den Film „Der Pate“ (1972). 

Neben der Mafia entstanden in Italien unter anderem die Camorra (Neapel) und die `Ndrangheta (Kalabrien). Aus dem russisch-eurasischen Raum heraus operieren sogenannte Syndikate. In vielen Ländern beteiligen sich auch Rockergruppen an der organisierten Kriminalität, in Deutschland zum Beispiel die Hells Angels und der Bandidos MC. In jüngerer Zeit rücken kriminelle Clans (Großfamilien) in Deutschland immer mehr in den Blickpunkt. Tatsächlich beherrschen sie aber eher die Schlagzeilen als die Statistiken. In nur rund jedem elften Verfahren im Zusammenhang mit Organisierter Kriminalität wird gegen Clans ermittelt.

Kriminelle Organisationen sind weit (und oft international) verzweigt und in verschiedensten Bereichen aktiv. Die Drahtzieherinnen und Drahtzieher halten sich in der Regel im Verborgenen. „Sichtbar“ sind überwiegend „kleine Fische“ wie zum Beispiel Drogenkuriere, die nur ihren Auftrag kennen. Wird zum Beispiel ein Drogenkurier festgenommen und seine „Ware“ beschlagnahmt, müssen erst durch aufwendige Ermittlungen die Hintermänner identifiziert werden.  

Die deutschen Behörden arbeiten mit Europol und Interpol zusammen, der europäischen und der internationalen Polizeiagentur. Verbindungsleute sind weltweit im Einsatz. Jedes Jahr erstellt das Bundeskriminalamt (BKA) ein Bundeslagebild Organisierte Kriminalität. Dieser Bericht gibt einen Überblick über die Erkenntnisse aller beteiligten Polizei- und Zollstellen. Auf dieser Grundlage können die zuständigen Dienststellen die Organisierte Kriminalität planvoll und zielgenau bekämpfen.  

Beispiele

Menschenhandel

Die meisten Opfer von Menschenhandel stammen aus Deutschland sowie Ost- und Südosteuropa (Quelle: BKA, Menschenhandel). Sie werden in ihren Heimatländern angeworben. Die Täter und Täterinnen versprechen ihnen einen seriösen Job (zum Beispiel als Au-pair-Mädchen oder in der Gastronomie), einen liebevollen Ehemann, eine bessere Zukunft. Manche Banden nutzen Jobportale oder geben Stellenanzeigen auf. Teilweise läuft die Anwerbung auch über Angehörige. In Deutschland angekommen, werden die Opfer dann  

  • zur Prostitution (Zwangsprostitution) oder 
  • zur Arbeit unter ausbeuterischen Bedingungen (lange Arbeitszeiten und/oder gefährliche Arbeiten gegen geringen Lohn – von dem oft noch horrende „Vermittlungsgebühren“ oder die Miete für elende Unterkünfte abgezogen werden) oder 
  • zur Bettelei 

gezwungen. 

Ein Mann fasst eine junge Frau grob an beiden Armen und drückt sie gegen eine Wand.

Symbolbild: Meist treten Menschenhändler als seriöse Jobvermittler auf. Gewalt erfahren ihre Opfer meist spätestens, wenn sie im Zielland zum Beispiel zur Prostitution gezwungen werden.

Zwangsprostitution: „Loverboys“

Nicht nur Frauen, die in Armut im Ausland leben, werden zur Prostitution gezwungen. „Loverboys“ sind auch in Deutschland aktiv. Ein „Loverboy“ macht sich an Mädchen und Frauen heran und baut zunächst eine Beziehung zu ihnen auf – oft über Dating-Portale oder soziale Medien. Schritt für Schritt gewinnt er das Vertrauen seiner Opfer. Gleichzeitig versucht er, die Frauen zu isolieren, von ihrer Familie und dem Freundeskreis abzuschotten. Er will, dass sie ihre Gegenwart und Zukunft ganz auf ihn ausrichten. Er gibt sich charmant, einfühlsam, bietet immer seine starke Schulter an. Gemeinsam mit seinem Opfer schmiedet er romantische Pläne. 

Prostitution als „Liebesbeweis“

Doch plötzlich behauptet er zum Beispiel, finanziell in der Klemme zu stecken. Die gemeinsame Zukunft sei gefährdet. Die Frau möchte ihm helfen, doch wie? Als scheinbar einzige Lösung deutet er die Prostitution an. Schlimm, ja, aber einige Male Sex mit besonderen Kunden: Das wäre doch gar nicht so schlimm und ein echter Liebesbeweis, oder?

Die Mädchen oder Frauen sind schockiert, weigern sich. Doch sie haben auch Angst, ihren Traummann zu verlieren. Der hält sie längst im Klammergriff, sie sind emotional völlig abhängig von ihm. Schließlich lassen sie sich zur Prostitution drängen. Teilweise filmen die Loverboys sie dabei – und können sie auch mit den Videos zusätzlich erpressen.

Ein junger Mann umarmt eine junge Frau fest mit beiden Armen. Sie lächelt glücklich.

Symbolbild: Sie sehen gut aus, sind aufmerksam, zärtlich – und sorgen dafür, dass ihre Opfer nach und nach alle Kontakte zur Familie und zum Freundeskreis abbrechen: „Loverboys“ drängen Mädchen oder Frauen planvoll in die Zwangsprostitution.

Der Traummann entpuppt sich als Zuhälter

Auch wenn die Opfer im „Loverboy“ jetzt den Menschenhändler und/oder Zuhälter erkennen, ist der Weg aus der sexuellen Ausbeutung schwierig. Ihr Verhältnis zur Familie oder dem Freundeskreis hat sich massiv verschlechtert. Oder sie schämen sich, ihre Situation einzugestehen. Der Zuhälter setzt sie unter Druck, bedroht sie und/oder übt körperliche Gewalt aus.

Eine junge Frau, nur mit Shorts und Shirt bekleidet, liegt zusammengekrümmt auf einem Bett.

Zwangsprostitution bedeutet: Ein Mensch wird zum Sex gegen Geld gezwungen. Von Zwangsprostitution sind vor allem Frauen, Jugendliche und Kinder betroffen.

Viele Betroffene bleiben in der Prostitution gefangen, oft monate- oder jahrelang. Eindrucksvoll schildert die Loverboy-Methode eine ehemalige Betroffene, Sandra Norak. Nach sechs Jahren in der (Zwangs-)Prostitution gelang ihr der Ausstieg. Sie studierte Jura und begann, sich in der Aufklärungsarbeit zu engagieren. Mehr erfahren: zur Website von Sandra Norak.

„Niemand, der zur Welt kommt, ist dafür gemacht und geboren, sich von unzähligen Männern penetrieren, demütigen und entwürdigen zu lassen.“ 

Sandra Norak, von „Sisters e. V. – für den Ausstieg aus der Prostitution“
Rechtliche Sicht

Organisierte Kriminalität: ein Begriff, viele Straftaten

Wer eine kriminelle Vereinigung gründet oder Mitglied wird, eine solche Vereinigung unterstützt oder für sie um Mitglieder oder Unterstützerinnen und Unterstützer wirbt, macht sich strafbar. § 129 StGB (Bildung krimineller Vereinigungen) sieht bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe vor. Darüber hinaus werden die einzelnen Straftaten der kriminellen Banden verfolgt, ob zum Beispiel Geldwäsche (§ 261 StGB) oder Drogenhandel (§ 29 BtMG).

Schwere Vergehen gegen die Menschenrechte

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind schwere Vergehen. Meist stecken kriminelle Organisationen dahinter. Jede Beteiligung am Menschenhandel ist strafbar: von der Anwerbung über den Transport ins Zielland bis zur Aufnahme, Ausbeutung und Versklavung vor Ort. Täterinnen und Täter erwarten Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. § 232 StGB (Menschenhandel) und § 232a StGB (Zwangsprostitution) sanktionieren entsprechendes Handeln. 

Was kann ich tun?

Ihr Freund will Sie zur Prostitution überreden?

Lassen Sie sich durch nichts und niemanden zur Prostitution drängen. „Einmal ist keinmal?“ Leider nicht. Wenn Sie zustimmen, „es“ einmal zu tun, können Sie sicher sein: Sie werden wieder und wieder gezwungen sich zu prostituieren, oft jahrelang.

 

Prostitution = Liebesbeweis?

„Aber er liebt mich doch – wirklich!“ NEIN! Denn sonst würde er auf keinen Fall wollen, dass Sie sich für ihn prostituieren. Wer Ihren Körper verkaufen will, ist kein liebevoller Mann. Sondern einfach nur ein Zuhälter.

Also ganz konkret: Ihr Freund bittet Sie, Sex mit anderen zu haben? Zum Beispiel, um ihn aus einer finanziellen Unglückslage zu befreien? Sagen Sie nein!

Eine junge Frau ist von hinten zu sehen. Sie sitzt auf einem Bett in einem düsteren Raum.

„Ich mache es, weil ich ihn liebe!“ Sie lieben ihn. Aber er liebt sie nicht. Sonst würde er Sie nicht zur Prostitution drängen.

Sie wollen aus der (Zwangs-)Prostitution aussteigen?

Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle. Die Beraterinnen und Berater

  • verstehen Ihre Lage, 
  • sind auf Ihrer Seite, 
  • hören einfühlsam zu, 
  • drängen Sie nicht (zum Beispiel auch nicht dazu, Anzeige zu erstatten, wenn Sie das nicht möchten), 
  • informieren Sie über Ihre Rechte und Möglichkeiten und  
  • unterstützen Sie in allen praktischen Fragen (zum Beispiel: Wo kann ich während der ersten Zeit schlafen? Wo bin ich sicher vor meinem Zuhälter? Wie finde ich einen Job? Und auch: Wie bewältige ich meine belastenden Erlebnisse? Wie gelingt eine Annäherung an Familie und Freunde?). 

 Anlaufstellen finden Sie unten in der HILFE-Box

Hier finden Sie Hilfe
ORGANISIERTE KRIMINALITÄT: BERATUNG & HILFE
    • Sie sind von Menschenhandel oder Zwangsprostitution betroffen oder bedroht? Oder Sie möchten einen betroffenen Menschen unterstützen? Hier finden Sie Anlaufstellen:

    • Hilfe bei Menschenhandel und Zwangsprostitution

      Hier finden Sie die Adressen von Fachberatungsstellen, die Sie informieren und unterstützen, vor Ort und auch bayernweit telefonisch.

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