Illustration: Ein Mann greift einer Frau ans Gesäß.

Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung erlebt fast jede Frau (und auch mancher Mann). Sie reicht von Blicken und anzüglichen Sprüchen (Catcalling) bis zum Begrabschen. Und sie ist so alltäglich, dass Täter (und Täterinnen) und Außenstehende sie oft nicht als (teilweise strafbare!) Verletzung der Würde wahrnehmen, sondern als „Kompliment“. Sexuelle Belästigung kommt überall vor, auf der Straße, in Bus und Bahn, zu Hause und sehr oft am Arbeitsplatz.

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Worterklärung (Definition)

Was ist sexuelle Belästigung?

Der Mann, der sie im Café anstarrt und sich die Lippen leckt. Das Catcalling, das ihr auf der Straße hinterherschallt. Der Typ, der das Gedränge im Bus nutzt, um ihre Brüste zu berühren. Der Kollege, der ihr in den Ausschnitt starrt und anzügliche Bemerkungen macht. Die Chefin, die an ihm vorbeigeht und wie selbstverständlich sein Gesäß tätschelt. Die beiden Männer, die sie an eine Hauswand drücken und ihr Dirty Talk (= erotische Anspielungen und/oder ausdrückliche sexuelle Aufforderungen) ins Ohr flüstern: Sexuelle Belästigung geschieht mit Worten und auch mit handgreiflichen Attacken.
Sexuelle Belästigung ist nicht nur lästig. Sie kann zur schweren Belastung werden. Auch (aber nicht nur) bei körperlichen Übergriffen, bei wiederholten Beleidigungen, Bedrohung und Nachstellen.

Was ist Catcalling?

„Hey, scharfer Hintern!“ – „Baby, mach’s mir!“: Catcalls nennt man all die Pfiffe, Kussgeräusche, miese Anmache und beleidigenden Sprüche, die (vor allem) Frauen unterwegs begleiten. Manche Catcalls nerven einfach nur. Andere sind bedrohlich und machen Angst.

Jetzt wehren sich immer mehr Frauen, gewaltfrei und kreativ. Eine Münchner Initiative kreidet Catcallern ihre Sprüche buchstäblich an: CatCallsofMUC schreibt Anmachsprüche mit Kreide auf Fußwege und entlarvt sie als das, was sie sind: miese Belästigung. Eine junge Frau aus Amsterdam veröffentlich in ihrem Instagram-Kanal dearcatcallers Selfies mit Catcallern. Die Bilder zeigen, wer beim Catcalling die Dummen sind: die Männer, die selbstzufrieden in die Kamera grinsen.

Kein Kavaliersdelikt: sexuelle Belästigung ist strafbar!

Spätestens ein Blick ins Strafgesetzbuch macht klar, dass sexuelle Belästigung keinesfalls harmlos oder „normal“ ist: „Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es dort (§184i StGB). Belästigen mehrere Täter/innen einen Menschen gemeinsam, ist sogar eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vorgesehen.

Was kann ich tun?

Beim Catcalling auf der Straße

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept, um Catcaller in die Schranken zu weisen. Wie Sie reagieren können, hängt von der Situation ab. Und auch davon, welches Auftreten zu Ihnen passt, womit Sie klarkommen und sich wohlfühlen. Mögliche Reaktionen auf Catcalls und sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit sind zum Beispiel:

  • Die Rufe ignorieren:
    Catcaller wollen Ihre Aufmerksamkeit. Lassen Sie sie einfach ins Leere laufen.
  • Den Catcaller ansprechen und seine Handlung benennen:
    „Lassen Sie das. Das ist sexuelle Belästigung.“ Verwickeln Sie sich aber nicht in ein Gespräch mit dem Catcaller, sonst schwächen Sie Ihre zurückgewonnene Hoheit.
  • Zum Handy greifen und die Polizei rufen:
    Ja, das ist in Ordnung und ganz richtig, auch wenn Sie „nur“ mit Worten belästigt werden.

Bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Eine Umfrage unter Beschäftigten hat ergeben: Fast jede sechste Frau wird am Arbeitsplatz sexuell belästigt. (Quelle: „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Beschäftigten in Deutschland“, Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2015). Besonders oft betroffen sind unter anderem Frauen, die neu im Unternehmen und/oder noch in der Probezeit sind. Sie spüren besonders die Abhängigkeit und das Machtgefälle – und verschweigen deshalb oft die Belästigung oder spielen sie herunter. Die Folge von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz können seelische Belastungen sein, Ängste, Depressionen und/oder die „innere Kündigung“.

Eine Frau und ein Mann sitzen vorm Computer. Der Mann legt seine Hand aufs Knie der Frau.

Symbolbild: Von der anzüglichen Bemerkung bis zur handgreiflichen Anmache: Nahezu jede sechste Frau wird an ihrem Arbeitsplatz sexuell belästigt.

Wie können Sie reagieren?

Sagen Sie klar und deutlich, dass Sie sich belästigt fühlen – und dass Sie weitere Übergriffe nicht hinnehmen. Schreiben Sie auf, was Sie erleben. Dieses Gedächtnisprotokoll kann helfen, wenn die Belästigung nicht aufhört. Denn dann sollten Sie sich an ihre Vorgesetzten wenden.

Sie fürchten, dass Sie nicht ernstgenommen oder abgewertet werden? Oder es ist Ihre Chefin oder Ihr Chef, die/der Sie belästigt? Dann schalten Sie den Personal- oder Betriebsrat ein. In größeren Unternehmen gibt es auch Gleichstellungsbeauftragte. Auf der Website der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) finden Sie neben der Beschäftigten-Umfrage auch viele Infos, praktische Tipps und Adressen.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: zur Antidiskriminierungsstelle

Weitere Hilfeangebote und Anlaufstellen, im Web und vor Ort, finden Sie unten in der „HILFE“-Box.

Trends

#MeToo und #aufschrei

Unter dem Hashtag #MeToo schildern Frauen in Sozialen Medien ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Übergriffen und zeigen ihre Solidarität mit Betroffenen. Die US-amerikanische Aktivistin Tarana Burke erfand und verbreitete 2006 den Slogan, um auf sexuelle Gewalt gegen afroamerikanische Frauen aufmerksam zu machen. „Me too“ bedeutet: „Du bist nicht allein, ich glaube dir, auch ich habe solche Erfahrungen gemacht“. Rund zehn Jahre später wurde #MeToo durch prominente Nutzerinnen weltweit bekannt. Die Me-too-Bewegung ist nicht unumstritten. Unter anderem wird darüber diskutiert, ob Catcalling und Straftaten wie Vergewaltigung unter dem Begriff „Me too“ zusammengefasst werden können.

Der Hashtag #aufschrei erhielt 2013 den Grimme Online Award.  Die Jury begründete diese erste Auszeichnung eines Hashtags damit, dass die vielen Nutzerinnen und Nutzer sinnvoll über den alltäglichen Sexismus diskutierten und neue Blickwinkel eröffneten, im Web, in Medien, „im Klassenzimmer, in der Familie, in der Kneipe, am Arbeitsplatz.“ Während #MeToo einer bis heute aktiven Bewegung den Namen gab, verebbte die Aufmerksamkeit für den deutschsprachigen Hashtag #aufschrei wieder.

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SEXUELLE BELÄSTIGUNG: BERATUNG & HILFE
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