Illustration: eine junge Frau hebt ein Baby hoch.

Schütteltrauma bei Babys

Ein Baby zu schütteln: das ist häufig eine Verzweiflungstat. Doch oft erleiden die Kinder dabei schwere Verletzungen des Gehirns, das sogenannte Schütteltrauma. Bis zu einem Drittel der geschüttelten Kinder stirbt an den Auswirkungen. Damit es nicht so weit kommt Eltern bei Baby-Stress frühzeitig Hilfe suchen, z. B. bei einer Schreibaby-Beratung. Wenn ein Baby geschüttelt wurde: SOFORT den Rettungsdienst (112) rufen!

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Worterklärung (Definition)

Was ist ein Schütteltrauma?

Das Baby schreit und schreit, pausenlos, aus vollem Hals. Seine Mutter hat alles versucht, um es zu beruhigen. Doch nichts hilft; sie ist am Ende ihrer Nerven. Als das Kind kurz Luft holt und verstummt, atmet sie auf. Doch schon schreit das Kleine weiter. Da verliert die Mutter für einen Moment die Beherrschung: Sie packt das Kind an beiden Oberarmen und schüttelt es mit ganzer Kraft.

Bei einem so heftigen Schütteln schleudert das Köpfchen des Babys unkontrolliert hin und her. Die Folgen sind massiv:

  • Nur wenige Babys überstehen das Schütteln ohne Schäden.
  • Mehr als die Hälfte der Babys bleibt den Rest ihres Lebens körperlich oder geistig behindert.
  • 1 bis 3 von 10 geschüttelten Babys sterben an den Folgen der Misshandlung.

(Quelle: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Die NZFH-Website „Elternsein“ bietet Infos, Tipps und ein Video zum Schütteltrauma .)

Das Schütteln ist eine Gewalttat (körperliche Kindesmisshandlung). Das Schütteltrauma ist ihre Folge. Erstmals beschrieben wurde das Schütteltrauma Anfang der 1970er Jahre.

Nahaufnahme: ein schreiendes Baby.

Symbolbild: Von einem „Schreibaby“ spricht man, wenn ein Kind scheinbar ohne Grund mehr als drei Wochen lang an mindestens drei Tagen pro Woche jeweils länger als drei Stunden schreit und sich kaum beruhigen lässt.

Ein Baby schütteln: Wer macht denn sowas?

Es sind nicht nur Eltern, die ihren Babys ein Schütteltrauma zufügen, sondern oft auch der/die Lebenspartner/in der Mutter oder des Vaters, ein weiblicher oder männlicher Babysitter oder Angehörige, die bei der Betreuung einspringen.

Auch Kleinkinder können ein Schütteltrauma erleiden.

Besonders gefährdet sind aber Babys unter sechs Monaten. In diesem Alter

  • schreien Kinder besonders viel. Entsprechend hoch ist der Stress für die Eltern oder andere Betreuungspersonen.
  • sind die Nackenmuskeln des Kindes noch zu schwach, um das Köpfchen zu halten.

Was passiert, wenn man ein Baby schüttelt?

Wenn wir als Erwachsene an den Schultern gepackt und geschüttelt werden, dann können wir diese heftige Einwirkung abfedern. Unsere Muskeln, Bänder und Sehnen halten den Kopf; unsere Knochen, Gelenke und Wirbel widerstehen dem Druck. Ein Babykörper ist dagegen in den ersten Monaten ganz aufs Liegen ausgerichtet. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper sehr groß und schwer. Schüttelt man ein Baby, schlägt der Kopf ungeschützt und völlig unkontrolliert hin und her.

Dabei können die Schädelknochen brechen und/oder Blutgefäße und Nervenbahnen zum Gehirn abreißen. Die Folgen sind katastrophal. Sie reichen von der Gehirnerschütterung bis zur Hirnblutung. Viele Kinder, die heftig geschüttelt wurden, sind für den Rest ihres Lebens behindert. Das Schütteln kann zum Beispiel eine Lähmung verursachen oder zur Erblindung führen. Auch Lernbehinderungen sind typische Folgen des Schüttelns.

Schütteltrauma verhindern: Tipp für Eltern!

Bevor sich eine andere Person um Ihr Kind kümmert – zum Beispiel Tante, Opa oder Babysitterin –, sprechen Sie das Thema Schütteltrauma an. Informieren Sie über die schlimmen Folgen des Schüttelns. Zeigen Sie, wie Sie Ihr Kind beruhigen, wenn es schreit. Vereinbaren Sie, dass die Person Sie jederzeit anrufen kann – zum Beispiel, wenn das Baby pausenlos schreit und die Nerven allmählich dünn werden.

Anzeichen (Symptome)

Hat (m)ein Kind ein Schütteltrauma?

Bei einem Schütteltrauma gibt es nur selten deutlich sichtbare Verletzungen. Bemerkbar macht es sich vor allem durch das Verhalten des Kindes. Ganz unterschiedliche Anzeichen können auf ein Schütteltrauma hinweisen. Einige Beispiele: das Kind ...

  • möchte nicht trinken,
  • schreit schrill,
  • ist schlaff und bewegt sich kaum,
  • wirkt benommen und/oder ist ungewöhnlich schläfrig,
  • hat eine blasse Haut,
  • atmet seltsam oder gar nicht und/oder
  • ist bewusstlos.

Wenn ein Kind eines dieser Symptome zeigt, SOFORT den Rettungsdienst (Telefon 112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116 117) rufen (ohne Vorwahl vom Festnetz oder Handy).

Ein Baby liegt im Arm eines Mannes. Es schreit aus Kräften.

Symbolbild: Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien, liegen bei Eltern und Betreuungspersonen die Nerven blank. Bevor etwas Schlimmes passiert: Schützen Sie Ihr Kind und sich selbst: Suchen Sie Beratung!

Prävention (Vorbeugung)

Was tun, wenn das Baby schreit und schreit ...

... und Sie mit den Nerven am Ende sind?

  • Legen Sie das Baby in sein Bettchen. Achten Sie darauf, dass es frei atmen kann.
  • Gehen Sie in ein anderes Zimmer.
  • Öffnen Sie das Fenster, atmen Sie tief durch, machen Sie etwas, das Ihnen guttut und Sie beruhigt. Wenn es hilft: Springen Sie auf und ab, machen Sie Boxbewegungen und brüllen Sie sich den Frust von der Seele.
  • Rufen Sie in Ihrer Kinderarztpraxis oder bei einer Beratungsstelle an und vereinbaren Sie einen Termin. Adress-Links finden Sie unten.
  • Wenn Sie sich nach einigen Minuten ruhiger fühlen: gehen Sie zum Baby zurück.
Schreibaby-Eltern? Sie sind nicht allein!

Immer daran denken: Sie sind keine schlechten Eltern, nur weil Ihr Baby schreit. Schämen Sie sich nicht. Tausende anderer Mütter und Väter erleben genau in diesem Moment dasselbe wie Sie und sind genauso müde, verzweifelt und wütend. Sie sind Eltern, keine Superhelden (obwohl: Elternsein ist schon ziemlich dicht dran).

Wenn das Schreien bei Ihnen ein Dauerthema ist: Warten Sie nicht zu lange, holen Sie sich Rat und Unterstützung (Links finden Sie unten in der Hilfe-Box). Aber: Schütteln Sie niemals das Baby.

Ihre Anlaufstelle: KoKi – Netzwerk frühe Kindheit

Familien in einer solchen belastenden Lebenssituation finden passgenaue Unterstützung bei den im Rahmen des Bayerischen Gesamtkonzepts zum Kinderschutz geförderten Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi) der Jugendämter. Aufgabe der KoKis ist insbesondere, Jugendhilfe und Gesundheitswesen zu vernetzen und die regionalen Angebote Früher Hilfen zur Unterstützung von Eltern zu bündeln und weiterzuentwickeln. Die KoKi vermittelt an geeignete Angebote vor Ort, zum Beispiel an Beratungsangebote der Erziehungsberatungsstellen oder Schwangerschaftsberatungsstellen. Seit Anfang 2019 schult das kbo-Kinderzentrum München mit Förderung des Bayerischen Familienministeriums Fachkräfte der rund 180 bayerischen Erziehungsberatungsstellen speziell zum Thema frühkindliche Regulationsstörungen und Schütteltrauma, damit flächendeckend in Bayern qualifizierte Beratungsangebote zur Verfügung stehen.

2 Fragen im Notfall

Alles, was jetzt zählt: schnelle Hilfe!

Ich habe (m)ein Baby geschüttelt: was tun?

Rufen Sie den Rettungsdienst (Telefon 112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116 117). Jetzt!
Wenn Sie sofort handeln, steigen die Chancen für das Baby.

Aber ruft die Ärztin/der Arzt nicht die Polizei?

Zuallererst wird die Ärztin oder der Arzt versuchen, dem Baby bestmöglich zu helfen. Und nur darauf kommt es jetzt an. Das Schütteln ist strafbar. Doch Sie machen alles nur noch schlimmer, wenn Sie das Schütteltrauma vertuschen:

  • Sie setzen das Leben des Kindes aufs Spiel.
  • Jede Stunde ohne ärztliche Hilfe verschlimmert die Lage.
  • Jemand hat das Kind geschüttelt und damit (vermutlich unabsichtlich) einen Fehler begangen. Versuchen Sie nicht, ihn wettzumachen durch einen weiteren Fehler.
Nahaufnahme: ein Mann hält eine „Shaken Baby“-Puppe. Der Körper wirkt echt, doch der Kopf ist aus durchsichtigem Plastik.

Schüttelt man diese „Shaken Baby“-Puppe, blinken rote Lichter in ihrem durchsichtigen Plastikkopf auf. Die Lämpchen zeigen an, welche Bereiche des Gehirns bei einem Kind geschädigt würden.

Hier finden Sie Hilfe

Schreibaby und Dauerstress?

Erst zum Arzt/zur Ärztin ...

2 von 10 Babys gelten als „Schreibabys“. Sie schreien (vor allem ab der 6. Lebenswoche und bis zum 3. Monat) überdurchschnittlich viel und lang. Das Schreien kann die ganze Familie stark belasten. Es ist oft der Auslöser dafür, dass Menschen ein Baby schütteln. Wenn Ihr Kind viel und scheinbar grundlos schreit, wenden Sie sich am besten an Ihre Kinderarztpraxis. Dort wird geklärt, ob das Schreien eine medizinische Ursache hat.

... dann zur Beratungsstelle 

Ist das Kind pumperlgesund, ist Ihre nächste Adresse eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Überall in Bayern gibt es Anlaufstellen für Eltern, die Stress oder Probleme haben – oder einfach nur Fragen rund um Familie und Erziehung. Dort bekommen Sie nicht nur Antworten und gute Tipps, sondern auch schnelle, praktische Hilfe. Links finden Sie unten in der Hilfe-Box.

„Bei uns kommen rund zwei Drittel der Eltern nach einem bis drei Gesprächen schon besser zurecht.“ – So wenige? „Ja, oft reichen schon wenige Gespräche!“

Erfahrungen von Schreibaby-Beraterinnen
SCHÜTTELTRAUMA: BERATUNG & HILFE
    • Ihr Baby schreit und schreit, Ihre Nerven liegen blank? Möglicherweise hat jemand Ihr Baby geschüttelt? Hier finden Sie Infos und Anlaufstellen:

    • 116 117 oder 112

      Wenn ein Baby geschüttelt wurde: Sofort den Kinderärztlichen Notdienst oder den Rettungsdienst rufen (ohne Vorwahl und kostenfrei aus allen Netzen).

    • Schreibaby-Beratung

      Schreibaby? Kommt in den besten Familien vor! Hier finden Eltern Hilfe und Unterstützung.

    • Erziehungsberatung in Bayern

      Was leistet die Erziehungsberatung und wo finde ich eine Beratungsstelle in meiner Nähe? Hier informiert das Bayerische Familienministerium.

    • bke-Elternberatung

      Austausch mit anderen Eltern im Forum oder Profi-Beratung online: Die bke-Elternberatung hilft bei allen Fragen, kleinen und großen Sorgen.

    • Schütteltrauma: Hilfe, Vorbeugung & Infos

      Hier finden Sie weitere Beratungs- und Hilfeangebote sowie Infos (auch Flyer, Broschüren, Studien usw.).

    • Beratung für Eltern und Familien

      Elternfragen? Familienprobleme? Bayerns Beratungsstellen entlasten: durch Gespräche und bei Bedarf längere Begleitung.

    • Zum Hilfe-Finder

      Sie suchen Beratung und/oder Hilfe zu einem anderen Thema? Hier können Sie gezielt nach Ihrem Thema filtern.