3-D-Illustration des Corona-Virus.

Corona und Gewalt (FAQs)

Die Corona-Pandemie stellt die ganze Welt vor völlig neue Herausforderungen. Viele Menschen haben Sorgen und Fragen. Hier beantworten wir häufige Fragen zum Thema Corona und Gewalt. Wenn Sie eine Frage anklicken, öffnet sich darunter ein Fenster mit der Antwort.

Corona und Gewalt: allgemeine Fragen

Die derzeitige Corona-Pandemie – also die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus – wirkt sich auf unser gesamtes Leben aus. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren, Kita- und Schulschließungen, Homeoffice oder Kurzarbeit: Wir alle erleben und erleiden die Auswirkungen hautnah. Klar, dass es jede Menge Fragen gibt – auch dann, wenn Sie selbst nicht direkt von Corona betroffen sind. Viel diskutiert ist zurzeit auch das Thema „Corona und Gewalt“.

Die Belastung durch die Pandemie und die notwendigen Ausgangsbeschränkungen können zu einer Zunahme von Konflikten führen. Und generell können Streit und Konflikte jetzt eher zu Gewaltausbrüchen führen. Viele Familien brauchen jetzt beratende Unterstützung und Krisenintervention, um Eskalationen zu verhindern. Hier sind zum Beispiel die Ehe- und Familienberatungsstellen und Erziehungsberatungsstellen gute Anlaufstellen.

In bereits gewaltbelasteten Beziehungen und Familien kann sich die häusliche Gewalt verstärken.

In Deutschland gibt es noch keine Fallzahlen. Doch andere betroffene Länder wie China und Frankreich melden eine starke Zunahme von häuslicher Gewalt. Fachleute gehen davon aus, dass es auch bei uns mehr Gewalt geben kann. Für diesen Fall müssen wir uns vorbereiten.

Häusliche Gewalt hat oft eine lange Vorgeschichte. Und Betroffene leiden noch lange darunter, auch wenn die Gewalt irgendwann endet. Für Opfer häuslicher Gewalt gibt es spezielle Angebote: Dazu gehören zum Beispiel

  • Beratungsstellen und Notrufe speziell für Opfer häuslicher Gewalt und
  • Frauenhäuser, in denen Frauen und ihre Kinder besonderen Schutz und Hilfe erhalten.

Hier finden Sie Links zu Beratungs- und Hilfeangeboten bei (drohender) häuslicher Gewalt.

Unser Tipp: Werden Sie aktiv, beugen Sie Stress und Gewalt zu Hause vor! Hier finden Sie Infos und Links: Gewalt vorbeugen

Viele Menschen stehen zurzeit unter hohem Druck, zum Beispiel

  • aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus,
  • aus Sorge um ihren Arbeitsplatz,
  • aus finanzieller Not,
  • wegen der häuslichen Enge und/oder
  • weil sie mit Beruf und Vollzeit-Kinderbetreuung überfordert sind.

In vielen Wohnungen fehlen Ausweichmöglichkeiten; das Haus verlassen darf man nur aus wichtigen Gründen. Wenn häusliche Gewalt schon länger ein Thema ist, spitzt sich dadurch die Lage oft noch zu. Und auch in bislang unbelasteten Beziehungen und Familien können Konflikte unter Umständen eher in Gewalt ausarten. Hier finden Sie Infos, wie Sie Gewalt vorbeugen können!

Es gibt Erklärungen für Gewalt. Aber keine Entschuldigung. Sie müssen Gewalt auf keinen Fall hinnehmen. Suchen Sie Beratung, Hilfe und Schutz. Hier finden Sie Anlaufstellen für Frauen, Anlaufstellen für Männer und Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche.

Fragen zu konkreten Notlagen

In Ihrer Beziehung oder Familie ist die Stimmung angespannt? Sie fühlen sich gefangen zwischen Ängsten und Pflichten, zwischen Langeweile und Stress? Nicht jede Belastung und nicht jede Auseinandersetzung führen zur Gewalt. Zum Glück sind viele Partnerschaften und Familien so robust, dass sie die Krisenzeit gut überstehen (und vielleicht sogar noch stärker werden). Doch in Krisenzeit münden Konflikte öfter in Gewalt. Dann ist schnelles Handeln wichtig. Hier finden Sie erste Fragen und Antworten zu konkreten Belastungs- und Notsituationen.

Angebote für Erwachsene

Wenn Sie sich verunsichert und instabil fühlen, können Sie sich an die Krisentelefone der Trauma-Hilfe-Zentren (THZ) wenden:

Südbayern

  • Krisentelefon des THZ München: 089 413279523
  • Beratungstermine und weitere Infos: zum THZ München

Nordbayern

  • Notfall-Telefon des THZ Nürnberg: 0911 99009099
  • Beratungstermine und weitere Infos: zum THZ Nürnberg

Speziell für traumatisierte Menschen hat das THZ Nürnberg ein Infoblatt mit praktischen Anregungen entwickelt. Wir finden: Die Tipps können allen helfen, sich zu stärken und die Krisenzeit gut zu überstehen.

Infoblatt „Umgang mit der Corona-Pandemie“ (PDF) herunterladen

Angebot für Kinder und Jugendliche

  • Die AETAS Kinderstiftung hat eine Hotline für Kinder und Jugendliche eingerichtet: 089 997409020
  • Du kannst anrufen (Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr) oder eine E-Mail schicken.
  • Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

Hier finden Sie Beratungs- und Hilfeangebote. Wenn sie akut bedroht sind, wählen Sie den Notruf: 110

Die Beratungsstellen bemühen sich nach Kräften, weiterhin alle Anfragen zu beantworten. Beratungsgespräche finden öfter telefonisch oder online statt, auch aus dem Homeoffice. Rechnen Sie damit, dass Sie nicht sofort eine Beraterin oder einen Berater erreichen. Meist können Sie eine Nachricht hinterlassen, zum Beispiel auf dem Anrufbeantworter.

Möchten Sie zurückgerufen werden? Oder wollen Sie lieber unauffälligen Kontakt, zum Beispiel per E-Mail, WhatsApp oder SMS? Geben Sie Ihre bevorzugten Kontaktdaten an.

Die Corona-Pandemie stellt die Einrichtungen täglich vor neue Herausforderungen. Möglicherweise können deshalb nicht alle Angebote durchgehend in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Zum Beispiel dann, wenn mehrere Beratungskräfte gleichzeitig erkranken. Unser Tipp: Wenn Sie bei einer Anlaufstelle vor Ort niemanden erreichen, wenden Sie sich an die überregionalen Hotlines:

  • Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000 116 016
  • Hotline „Nummer gegen Kummer“ für Kinder und Jugendliche: 116 111
  • ISKA-Beratungsstelle Häusliche Gewalt gegen Männer (für Nordbayern): 0911 27299820
  • VIA Beratung gewaltbetroffener Männer (für Südbayern): 0821 45033920
  • Bayernweite Beratungs-Hotline für schwule, bisexuelle, queere und trans* Männer: 089 856346427

Sie sind in akuter Gefahr? Oder eine andere Person?

Dann rufen Sie den Polizei-Notruf unter 110 an. Die Polizei ist für Einsätze bei häuslicher Gewalt geschult und sorgt für den Schutz der Opfer.

Eine wichtige Bitte!

Wenden Sie sich nur bei Problemen mit Gewalt an die Beratungsstellen und den Notruf. Medizinische oder rechtliche Fragen zu Corona können die Beratungskräfte und die Polizei nicht beantworten. Wer ohne ernsthaften Grund anruft, blockiert die Leitungen – auf Kosten von Menschen, die dringend Rat und Hilfe brauchen.

Das kommt darauf an. In Einrichtungen, in denen die betroffenen Frauen bzw. Männer sich zum Beispiel Bäder, Küche und Aufenthaltsräume teilen, wäre eine Aufnahme problematisch. Einige Einrichtungen haben Apartments oder dezentrale Wohnungen. Dort ist eine Aufnahme unter Umständen möglich. Geklärt wird dies in jedem Einzelfall.

Der Freistaat steht mit den Dachverbänden des Hilfesystems für gewaltbetroffene Frauen, mit der landesweiten Koordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt und mit den Kommunalen Spitzenverbänden im Austausch, um die Kommunen dabei zu unterstützen, wegen der Corona-Pandemie gegebenenfalls notwendige zusätzliche Schutzplätze zur Verfügung zu stellen. Die regionale Ebene weiß am besten, welche Immobilien vor Ort vorhanden und auch geeignet sind als zusätzliche Unterkunftsmöglichkeiten.

Die Regel ist aber sowieso: Der Gewalttäter muss die Wohnung verlassen!

Sie sind akut durch häusliche Gewalt bedroht? Es sollten auch die rechtlichen Möglichkeiten, den Täter zur Verantwortung zu ziehen, genutzt werden. Hier bieten sowohl das Bayerische Polizeiaufgabengesetz als auch das Gewaltschutzgesetz ein Bündel an Maßnahmen an: Platzverweis, Kontaktverbot bis hin zur alleinigen Überlassung der gemeinsam genutzten Wohnung. Nach dem Gewaltschutzgesetz kann der Täter bis zu sechs Monate sogar dann aus der gemeinsam genutzten Wohnung ausziehen müssen, wenn ihm die Wohnung gehört. Die Polizei hilft dabei, einen Aufenthaltsort für die Gewalt ausübende Person zu finden. So können Sie in Ruhe und gemeinsam mit Beratungsstellen eine Lösung finden.

Durch die Corona-Pandemie kann es noch häufiger als bislang zu häuslicher Gewalt und daher zu Engpässen in Schutzeinrichtungen kommen. Der Freistaat steht mit den Dachverbänden des Hilfesystems für gewaltbetroffene Frauen, mit der landesweiten Koordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt und mit den Kommunalen Spitzenverbänden im Austausch, um die Kommunen dabei zu unterstützen, wegen der Corona-Pandemie gegebenenfalls notwendige zusätzliche Schutzplätze zur Verfügung zu stellen. Die regionale Ebene weiß am besten, welche Immobilien vor Ort vorhanden und auch geeignet sind als zusätzliche Unterkunftsmöglichkeiten.

Als Gewaltopfer können Sie sich immer an ein Frauenhaus in Ihrer Nähe wenden, um sich beraten zu lassen. Wenn Sie akut bedroht sind, rufen Sie die Polizei unter 110. Die Polizei kommt zu Ihnen und macht sich ein Bild von der Lage. Sie können auf keinen Fall länger mit dem Gewalttäter in einer Wohnung leben? Dann kann die Polizei den Gewalttäter der Wohnung verweisen. Wenn Sie der Polizei unterschreiben, dass Sie einverstanden sind, stellt die Polizei den Kontakt zu einer Beratungsstelle her. Die Beratung ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. In den Beratungsstellen können Sie sich auch zu den Möglichkeiten der längerfristigen Verweisung des Täters nach dem Gewaltschutzgesetz beraten lassen. Außerdem können Sie sich auch ans bundesweite Hilfetelefon wenden, jeden Tag, rund um die Uhr: 08000 116 016.

An die Beratungs- und Hilfestellen können sich nicht nur die Opfer von Gewalt wenden. Auch die Familie, der Freundeskreis, Nachbarinnen und Nachbarn können Rat suchen. Hier finden Sie Beratungs- und Hilfeangebote.

Ja. 20 Prozent der Opfer von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt sind Männer. Auch hier gilt für das Umfeld, zum Beispiel Angehörige, Freundinnen oder Freunde und die Nachbarschaft: Hören Sie hin. Bieten Sie Unterstützung an. Unser Tipp: Auch als Außenstehende können Sie sich an Beratungsstellen wenden!

Fragen zur Vorbeugung gegen Gewalt

Wie kommen wir als Paar gut durch die Corona-Krise? Wie übersteht unsere Wohngemeinschaft mehrere Wochen in Quarantäne? Was verbindet uns als Familie, was gibt uns Ruhe und Kraft? Und gibt es Anlaufstellen, die uns helfen, Gewalt vorzubeugen? Ein Klick auf „Ihre“ Frage bringt Sie zur Antwort.

Sie merken, dass in Ihrer Partnerschaft oder in der Familie die Anspannung steigt? Es gibt viele Methoden, die helfen, sich zu entspannen. Probieren Sie aus, was Ihnen jetzt hilft und wohltut. Hier finden Sie Tipps, wie Sie allein oder gemeinsam Druck abbauen können.

Gewalt vorbeugen: Das ist eine wichtige Aufgabe der Ehe-, Familien- und Erziehungsberatung. Wenden Sie sich frühzeitig an eine solche Beratungsstelle, wenn es Probleme in der Beziehung oder Familie gibt: gerade zurzeit, wenn das Miteinander schwieriger ist als sonst. Hier finden Sie Infos und Links zu Beratungsstellen in Bayern.

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